Freitag, 15. Oktober 2010

Dominanzverhalten

Was ist das? – Dominanzverhalten beim Hund – Menschbeziehung
– Mensch Hundbeziehung


Dominanzverhalten ist nichts anderes als das Rudelverhalten zwischen dem Hund und der Menschbeziehung. Der Hund ist von Natur aus ein Rudeltier und ordnet sich unter. In der Natur geschieht dies bei Wölfen, von denen unsere Hunde abstammen, so:

Aggressive, aber stark ritualisierte Auseinandersetzungen haben nicht zum Ziel, den Gegner ernsthaft zu verletzen oder gar zu töten (Sonst gäbe es ja keine Wölfe oder Hunde mehr). Das dominante Tier wird diese Rudelkämpfe gewinnen und wird von den übrigen als Leittier anerkannt. Dies ist dann die Alpha Hündin und der Alpha Rüde.
Bei unseren Hunden wäre dies genauso. Nun sind wir aber nicht in der freien Wildbahn, sonder zu Hause in unserem Reich und der Hund muss lernen, dass wir Herrchen (oder oft das Frauchen) als Alphatiere anzuerkennen, dann die Kinder, Oma, Opa u.s.w. die im Hause leben und ganz zum Schluss kommt erst unser Freund „Hund“.
Ist das so, gibt es auch kaum Probleme. Nur unser Hund muss das erst lernen und begreifen.


Das gesellige Zusammenleben baut sich durch das Sozialverhalten von Mensch und Hund auf. Als Wolfserbe ist dem Hund der Rudelinstinkt erhalten geblieben. Diesen Instinkt hat er auf den Menschen übertragen. Von seinem Urinstinkt geleitet, zeigt sich der Hund seinem Menschen gegenüber (dem Leittier und des Rudels) folgsam in sprichwörtlicher Treue.

Der Mensch muss sich diesen Gehorsam aber erst verdienen. Der Hund sucht sich in seinem Rudel (wir Menschen, mit denen er lebt) seinen festen sozialen Stand. Erziehen wir unseren Hund artgerecht und konsequent zum freudigen Gehorsam! Viel Lob und Leckerlis sollten hier selbstverständlich sein. So fördern wir nur seinen natürliche Bedürfnisse. Lob und Tadel sollten hier im richtigen Verhältnis liegen.
Der Hund erlernt positives Verhalten als angenehm. Negatives Verhalten bedeutet Ablehnung, dies ergibt eine schlechte Erfahrung. Das alles hat nichts, wie so mancher meint, mit Unterdrückung zu tun. Eine echte Autorität anzuerkennen, dazu ist unser Hund geboren. Ist in diesen Bereichen eine Lücke, dann kann es zu bösen
Auseinandersetzungen zwischen Hund und Menschen kommen. Aggressionen, Beißattacken, Anknurren u.s.w. sind dann oft die Folgen. Lassen wir die Zügel schleifen, so hat unser Hund ganz langsam, ohne dass wir es vielleicht merken, eine ranghöhere
Position erobert. Der Hund hat eigentlich keine andere Wahl, er muss versuchen nach Hundeart in diese Führungslücke zu stoßen. Dies ist natürlich von Hund zu Hund und Rasse zu Rasse verschieden.



Wie verhält sich ein dominanter Hund?


Aktiv bestimmt unser dominanter Hund was in seinem Umfeld passieren soll und was nicht.

Hier einige Beispiele:

Er liegt gerne auf erhöhten Plätzen, wie zum Beispiel auf dem Sessel, lässt sich ungern vertreiben. Vielleicht reagiert er hartnäckig mit Anknurren oder gar Beißen. Er darf im Bett mit schlafen, und auch hier geht er nur widerwillig wieder weg. Er sucht sich immer wieder einen Liegeplatz, von wo er alles genau beobachten kann.
Oft sind diese Verbindungsplätze, wie Wohnungstüren, Küche-Flur, Wohnzimmer – Küche u.s.w. Wo er liegt, bestimmt er. Oft muss man über ihn steigen, und er lässt sich nur brummend vertreiben. Auch er bestimmt, wann er Gassi gehen will, durch Bellen und Winseln oder Kratzen an der Haustür. Er geht als erster durch die Tür, geht zuerst die Treppen hoch, ist als erster an der Tür, wenn es klingelt und ist
kaum zu beruhigen. Er bestimmt, wer zu uns kommen darf oder nicht. Zu dem einen ist er freundlich, der andere wird angeknurrt und er ist nicht mehr zu bändigen. Auch beim Postboten spielt er verrückt. Das Futter lässt er sich nicht mehr wegnehmen, auch das Lieblingsspielzeug wird verteidigt. Bei unserem Essen wird generell gebettelt, bis er einen Bissen abbekommt. Er reitet auf, bei uns und auch, wenn Besuch kommt. Der wird auch nicht davon verschont. Kommandos oder Befehle führt er nur widerwillig oder gar nicht aus. Vom Bürsten, Waschen, Ohrenreinigung, will unser Freund gar nichts wissen, was er uns durch Knurren oder gar Zuschnappen verständlich
machen will.

Er zeigt Unterwerfungsgesten und erreicht dadurch, dass wir uns um ihn kümmern, durch Streicheln, Liebkosen, Leckerli geben u.s.w.

Als erstes springt er sofort ins Auto und setzt sich auf einen Platz, wohin er will. Das Auto wird zähnefletschend verteidigt, wenn Passanten oder Hunde vorbeikommen. Will man aussteigen quetscht er sich sofort durch die Sitze ins freie. An der Leine zieht er, wohin er will. Er bestimmt auch die Geschwindigkeit. Er lässt sich bei interessanten Geruchsstellen nur widerwillig wegziehen. Beim Freilaufen macht er was er will, hört selten auf Rufe. Büxt sofort aus, wenn sich etwas nähert, wie Menschen, Tiere oder hetzt Wild nach. Auch Jogger und Fahrradfahrer sind vor ihm nicht sicher. Angeleinte Hunde sind auch nicht seine Freunde. Er bellt sie aggressiv an, ist kaum zu beruhigen. Wann immer es sich ergibt, sind Raufereien an der Tagesordnung, ohne sich vorher auf die übliche Komment-Geste zu beschränken.

Hier ist Vorsicht geboten, denn Gewinnen beim Raufen ist für solche Hunde selbstbelohnend, daher hat der Hund natürlich zu diesem Verhalten ein starkes Bedürfnis.


Sind nur einige der genannten Ausführungen zutreffend, so muss man sich fragen, - ob die Rudelführung hier noch existiert? Müssen wir an unserem Verhalten etwas ändern,
damit unser Freund nicht mit der Zeit an die Führungsspitze kommt? Mit dominanten Hunden bekommen wir mit der Zeit immer mehr Schwierigkeiten. Damit dieses nicht ausartet, hier einige Übungen, die uns weiterhelfen


Unterordnungstraining:

Nehmen wir an, die Kommandos wie „Sitz“, „Platz“ und die Leinenführigkeit wurden schon erlernt oder geübt. Hier haben sie in Hundeschulen oder in einem Hundeverein die Möglichkeit dazu.

4 x am Tag wird nun spazieren gegangen, für eine ½ Stunde. Die ersten 10 Minuten darf der Hund seine Geschäfte erledigen, auch schnuffeln (Zeitung lesen), aber bitte ohne an der Leine zu zerren. Ziehen Sie ihn immer wieder mit einem harten Ruck zurück mit den Worten.

Bestimmen Sie die Richtung, die Sie laufen wollen.Nun werden 10 Minuten mit Kommandos trainiert. Nach einigen Schritten ordentlicher Leinenführigkeit, Kommandos wie „Sitz“ und „Platz“ mit einbauen. „Sitz“ und „Platz“ und „Bleib“, dies sind
Übungen, die ein erzogener Hund beherrschen muss (im Verein oder einer Hundeschule kann man dieses erlernen). Es werden 10 Minuten richtig feste gearbeitet, es ist darauf zu achten, dass der Hund auch die Befehle sofort ausübt.

Nun kommen 10 Minuten Spiel, was dem Hund Freude bereitet. Jedes Spiel (Ball, Zerrspiele, Bringspiele u.s.w.) gewinnen wir. Das ist sehr wichtig. Denn nur der Rudelführer gewinnt.


Jeden Morgen wird der Hund nun 10 Minuten gebürstet. Der Hund soll sich dabei ruhig verhalten. Auch die Ohren werden nachgeschaut, die Krallen werden nachgesehen, auch zwischen den Ballen kann sich etwas festgesetzt haben. Immer wieder bürsten zwischen durch. Wir loben ihn mit Worten dabei. Wichtig ist, dass er still hält und sich dieses auch gefallen lässt.

Nach der Körperpflege, wird der Hund kommentarlos angeleint, in einen anderen Raum gebraucht mit dem Kommando „SITZ“. Man stellt, setzt oder kniet sich vor den Hund und versucht mit dem Hund in Augenkontakt zu kommen. Fünf Sekunden sollte der Augenkontakt aufrecht gehalten werden. Evtl. kann man am Anfang mit dem Zeigefinger von der Hundeschnauze zur eigenen Nase gehen, oder mit den Fingern schnipsen, um den
Hund aufmerksam zu machen. Wichtig ist: Nur der Rudelchef sucht aktiv Augenkontakt, der unterlegene wird sich winden und versuchen, dem Augenkontakt auszuweichen. Und schon sind Sie in diesem Moment der Boss. Schauen sie aber bitte nicht zuerst weg, sonst hat der Hund ja wieder gewonnen. Erst muss der Hund wegschauen, dann ist alles ok.

Es wird zweimal gefüttert. Nach dem wir gegessen haben. Hier bekommt er nichts. Wenn er bettelt, muss er „ PLATZ“ machen. Achten sie darauf, dass er die Befehle ausführt.

Nun bekommt er sein Futter. Auch für sein Fressen muss er einen Befehl ausführen „Sitz“ oder „Platz“. Kurz bevor er mit Fressen fertig ist, bekommt er es wieder weggenommen.

Sollte er dies nicht zulassen, dann helfen sie sich so: der Hund wird beim Fressen angebunden und sie ziehen die Schüssel mit einer Kordel weg. Sie bestimmen, wann was und wie viel gefressen wird.

5-10 Minuten "Platz" machen lassen.

Einmal am Tag muss der Hund für diese Minuten Platz machen. Voraussetzung: der Hund kennt diesen Befehl. Bleiben Sie in seiner Nähe. Schauen Sie zum Beispiel die Nachrichten im Fernsehen an. Wichtig ist, dass der Hund im „Platz“ bleibt. Leinen Sie ihn am Anfang an. Steht er auf, folgt wieder ein strenges „PLATZ“. Will er aufstehen, wird er immer wieder energisch korrigiert.


Auch das sollte ein festes Trainingsprogramm sein. Hier gibt es extra ein Programmtraining.

Es müssen bei der Erziehung viele der aufgezählten Verhaltensweisen des Hundes geändert werden.

Wie zum Beispiel:

Der Hund darf nicht mehr ins Bett, keine erhöhte Liegesitze mehr. Keinen Platz auf dem Sessel. Nicht mehr als erstes durch die Tür laufen lassen, nicht als erster ins Auto, nicht mehr am Tisch füttern. Nicht mehr streicheln, wenn der Hund zu ihnen kommt. Schicken sie ihn weg, rufen Sie ihn etwas später und streicheln Sie ihren Hund, wenn Sie wollen. Spielaufforderungen nicht nachgeben! Sie beginnen das Spiel, sie beenden es auch und gewinnen immer! Immer wieder beim Gassi gehen (Spaziergang) Kommandos wie „Sitz“, „Platz“ und die Leinenführigkeit üben! Das Herankommen mit der langen Leine üben! Die Spaziergänge interessant machen! Nie denselben Weg laufen!
Immer wieder neue Wege laufen! So verliert ihr Hund die Selbstsicherheit auch gegenüber anderen Hunden.

Kommen andere Hunde: mit viel Ablenkung arbeiten, damit keine Aggressionen entstehen. Wenn es geht, immer wieder mit guten Hundefreunden üben. Lassen Sie ihren Hund immer wieder mit anderen Hunden spielen, (wenn sie sich verstehen). Hündinnen
und Rüden verstehen sich meistens, damit Ihr Hund die Hundesprache nicht verlernt.

Es ist wichtig bei dominanten Hunden dieses Trainingsprogramm zu starten. Nur wer viel und konsequent übt, wird mit der Zeit, die sich immer wieder lohnt, einen gut erzogenen Hund führen können


Eine Vervielfältigung dieses Trainingsplanes ist nur gestattet nach Genehmigung des Autors.


Haben sie noch Fragen dazu?


Ihre Fragen beantworte ich gerne unter hunde@t-onlin.de.

Ihre Ingeborg Arnold

1. Vereinsvorsitzende
Leiterin der Hundeschule